Glück

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„Wahre Zufriedenheit entsteht nicht dadurch, dass wir mehr besitzen, sondern dadurch, dass wir weniger brauchen.“ — Laozi
Glück ist ein universelles Verlangen, doch schwer zu greifen. Ist es ein Moment der Euphorie, ein Zustand innerer Ruhe, sind es äußere Umstände oder einfach Zufriedenheit? Psychologen, Theologen und Philosophen geben darauf unterschiedliche Antworten und entwickeln vielfältige Wege, wie wir unser Glück finden können. Ich sehe zwei Ebenen, die mich auf dem Weg zu innerem Frieden unterstützen können: Die vielleicht einfachere liegt im Loslassen von Gedanken, Emotionen, Wünschen, äußerer Ablenkung und in der Stille. Der zweite Weg ist die absolute Gegenwärtigkeit, z.B. durch Meditation, die zu unserem Inneren führt, zur Hingabe im Sein. Auf beiden Ebenen kann uns der Glaube eine große Hilfe sein. Meinen eigenen Weg musste ich nicht suchen – er wurde mir geschenkt:
Anfang vierzig erlebte ich einen tiefgreifenden Wandel. Eine schwere Depression zwang mich zur Besinnung – und darin hatte ich bis dahin keinerlei Übung. Mein „Rezept für Glück“ hieß Leistung, Besitz und bessersein. Mein Leben war bis zu diesem Wandel klar zweigeteilt – in ein Davor und ein Danach.
Vor diesem Einschnitt hatte ich nie ernsthaft über mein Leben nachgedacht. Die Zeit dafür schien mir zu schade. Ich musste Geld verdienen, die Familie versorgen und mir zugleich Anerkennung erarbeiten. Mein Alltag bestand aus Planen, Arbeiten und Hoffen auf bessere Umstände. Von unseren vier Kindern bekam ich kaum etwas mit. Und die Hinweise aus meinem Umfeld, dass ich stets mit düsterem Gesicht herumlief, konnte ich nicht verstehen.
Ich würde nicht einmal sagen, dass ich unglücklich war. Vielmehr spürte ich mich gar nicht und wäre nie auf die Idee gekommen, mein Leben zu reflektieren, geschweige denn, etwas zu verändern. Als Teeny hoffte ich, eine „gute Fee“ möge mich glücklich machen; später setzte ich alles auf Erfolg und Anerkennung. Doch das funktionierte nur mäßig – bis die Ehe zerbrach und ich in eine Depression stürzte, für die ich bis dahin keinerlei Verständnis hatte.
Heute blicke ich beschämt und zugleich staunend auf mein damaliges Leben zurück. Die erste Hälfte habe ich wohl verpennt und das schmerzt besonders, wenn ich beobachte, wie liebevoll meine Enkel umsorgt sind. Aus der Erfahrung „zweier Leben“ weiß ich, warum ein Leben im Außen nicht glücklich machen kann. Zugespitzt kann man auch sagen, dass mein Leben ohne mich nicht zu meinem Glück führen kann, denn mein wahres Selbst war nicht dabei. Das ersehnte Glück lag in meiner eigenen Hand und um das zu erkennen, brauchte ich über vierzig Jahre – unglaublich! Die wichtigsten „Zutaten“ dazu sind mir Stille, Dankbarkeit, Liebe und Gottvertrauen. In dieser Reihe folgen auch die nächsten Kapitel. Das größte Hindernis auf meinem Weg zum Glück war mein eigener Verstand – weil er die Stille nicht ertrug. Doch der Reihe nach.
Was ist Glück?
Glück ist eines der tiefsten, aber auch subjektivsten Themen. Es gibt keine allgemeingültige Definition, weil jeder Mensch Glück anders erlebt. Im Alltagsverständnis ist Glück ein Moment intensiver Freude oder Zufriedenheit – etwa, wenn etwas gelingt, wenn wir lieben oder geliebt werden, wenn wir lachen oder staunen. Aber dieses emotionale Glück ist wie ein Schmetterling – es kommt und geht. Wer versucht, es festzuhalten, verliert es.
Tieferes Glück, wie ich es verstehe, ist kein Gefühl, sondern ein innerer Zustand. Es ist Frieden mit uns selbst, ein Ankommen im Hier und Jetzt. Dieses Glück hängt nicht von äußeren Umständen ab. Es ist auch kein Ziel, das man sich erarbeitet, sondern ein Geschenk. Ich kann Glück in diesem Sinn nur spirituell betrachten. Glück liegt im Sein, im Glauben an eine höhere Ordnung. Im Vertrauen auf Gott kann ich loslassen und die Kontrolle dem Leben, also Gott übergeben. In diesem Sinn ist Glück befreiend und eng mit Hingabe, Gnade und Gottvertrauen verbunden.
Glück muss nicht immer schmerzfrei sein. Ohne Leid wüssten wir nicht, was Glück ist. Erst der Kontrast – das Durchleben von Schmerz, Verlust, Zweifel – schärft unser Bewusstsein für die Kostbarkeit des Augenblicks. Glück wächst also dort, wo wir loslassen.
Glück im Sein
Oft setzen wir Glück mit äußerem Erfolg, Reichtum oder guten Beziehungen gleich. Aber wahres Glück kommt aus dem Inneren – aus Dankbarkeit, Selbstakzeptanz und dem Gefühl von Lebenssinn. Wer sich nur an materiellen Zielen orientiert, läuft Gefahr, sich selbst zu verlieren. Die Illusion, dass „mehr“ glücklicher macht, hält sich hartnäckig. Doch wo diese Illusion zerbricht, ist der Weg frei für echtes Glück.
Jenseits von Umständen, von Situationen und vom Denken finden wir uns im Sein – in purer Hingabe zum JETZT. Deshalb ist es mit dem Verstand nicht zu erfassen – im Gegenteil: unser Verstand hindert uns oft, in den Zustand des Seins zu kommen, alles abfallen zu lassen, um zu unserem wahren Wesen zurückzukehren. Im Sein gibt es keine Dualität, kein gut oder schlecht, nur pulsierendes Leben in einem höheren Bewusstsein. Das bedeutet eine neue Freiheit. Wir gehen im nächsten Kapitel näher darauf ein.
Frei wie ein Vogel
Beim Beobachten von Vögeln wird deutlich, was es heißen könnte, wirklich frei zu sein. Sie brauchen nichts. Die Schöpfung hat Ihnen alles gegeben: Ein wunderschönes Kleid, das ihnen steht und sie vor Nässe, Hitze und Kälte schützt. Sie brauchen weder Kunstfasern noch irgendwelche Mode. Sie finden auch ohne GPS wieder nach Hause und schaffen das sogar aus eigener Kraft. Vögel machen sich keine Sorgen um ihre Zukunft. Sie sammeln oder jagen ihre Nahrung, bauen ihre Häuser aus Naturmaterialien und machen nicht einmal Schulden dabei. Vögel brauchen keine Therapeuten, keinen Strom und keine Handys. Sie leben im Einklang mit der Natur, sorgenfrei, im Moment. Ohne Besitz, ohne Pläne, ohne Ängste. Können Tiere glücklicher sein als wir? Vielleicht – weil ihre Wünsche kleiner, ihre Erwartungen gleich null sind und keine Gedanken ihr Sein stören.
Wir Menschen hingegen verkomplizieren unser Leben. Unsere Fähigkeit zu denken wird zur Last, wenn sie ins Grübeln, Sorgen und in endlose Wünsche ausartet. Wir zerstören Lebensräume – auch unseren eigenen – aus dem Glauben heraus, dass Glück käuflich oder planbar sei.
Loslassen – Freiheit statt Kontrolle
Spaß und Befriedigung sind flüchtig, Glück als innerer Friede ist hingegen beständiger. Es entsteht unter anderem aus einer dankbaren Haltung dem Leben gegenüber. Stille, Dankbarkeit, Gelassenheit und die Bereitschaft, das Leben anzunehmen, wie es kommt – das sind rechte Wege zur Seelenruhe. Doch wir haben uns so sehr an Komfort gewöhnt, dass wir oft vergessen, wie viel Grund zur Dankbarkeit wir haben: Familie, Gesundheit, Freiheit, Nahrung, Geborgenheit und eine unerschöpfliche Natur. All das würden wir uns am liebsten sichern. Das funktioniert aber nicht, weil wir anerkennen müssen, dass das Leben, eine höhere Macht, über uns steht. Wer ständig versucht, alle Risiken auszuschalten, verpasst das Leben selbst. Immerhin können wir unsere Gedanken kontrollieren – tun wir das?
Unsere Sehnsucht nach Sicherheit, Kontrolle und die ständige Reizüberflutung entfernt uns von unserer innersten Natur. Wer sich auf das Wesentliche besinnt, meditiert, reflektiert und Ballast abwirft, gewinnt Leichtigkeit. Deshalb ist das Loslassen der erste Schritt. Es geht darum, uns vom Ego zu lösen, es geschehen lassen, „Let it be!“ Das Ergebnis ist nach einhelliger Lehre der großen Meister Gleichmut, Gelassenheit, Seelenruhe, Freiheit von Emotionen. Alles „Weltliche“ fällt ab, der Blick wird klar. Meister Eckart bringt es so auf den Punkt: „Wenn die ganze Welt abfällt von der Seele, dann kommt die Seele zur Ruhe.“ Bei einem mehrwöchigen Segeltörn über den Atlantik, frei von jeder Ablenkung, konnte ich eine Ahnung davon bekommen, was das bedeutet. Ein überwältigendes Gefühl, sich selbst so nahe zu sein.
Das Loslassen von Kontrolle. Oft halten wir krampfhaft an der Vorstellung fest, dass wir die Kontrolle über Dinge, Geschehnisse und unsere Lebensumstände haben müssen, um Sicherheit und Zufriedenheit zu erlangen. Doch das führt leicht zu Stress, Angst und Frustration, wenn das Leben nicht so verläuft, wie wir es planen. Das Loslassen von Kontrolle bedeutet, Vertrauen in uns selbst und das Leben zu haben und es gelassen auf uns zukommen zu lassen. Nur dann sind wir empfänglich für Neues, das außerhalb unseres Denkhorizonts liegt.
Loslassen von Macht. Macht und Kontrolle sind eng verwoben. Macht ermöglicht Gestaltung, egal ob in der Politik, im Unternehmen, in der Kirche oder im privaten Leben. Auch bei besten Absichten sind die Kontrollfreaks meist nicht die besseren Lenker. Im negativen Sinn kann Macht uns auch dazu verleiten, andere zu dominieren oder zu manipulieren. Das Loslassen von Macht ermöglicht uns, anderen auf Augenhöhe zu begegnen und authentische Beziehungen aufzubauen.
Emotionen loslassen. Wie oft halten wir an negativen Emotionen wie Wut, Angst oder Trauer fest? Das hindert uns daran, im gegenwärtigen Moment zu leben und das ist schließlich der wirksamste Schritt zum Loslassen. Das bedeutet nicht, Gefühle zu unterdrücken oder zu leugnen, sondern sie anzuerkennen und zu akzeptieren, um sie ziehen zu lassen. So schaffen wir Platz für Positives. Soweit die Theorie. Zugegeben: Für mich ist das eine große Herausforderung. In der Praxis ist mein Weg dorthin noch weit…
Verantwortung loslassen. Verantwortung ist auch Macht im positiven Sinne und damit gilt hier Ähnliches wie für die Kontrolle. Wir müssen erkennen, dass wir nicht für alles im Leben verantwortlich sein können. Das setzt jedoch die Fähigkeit voraus, Menschen zu vertrauen und zu akzeptieren, dass andere Entscheidungsträger auch andere Lösungsansätze und Arbeitsmethoden haben. Es schließt auch die Akzeptanz möglicher Fehlentscheidungen ein.
Loslassen von Wünschen, Begierden und Süchten. Die Erfüllung unserer Wünsche führt nicht zu einem glücklicheren Dasein, allenfalls ist es eine kurze Befriedigung. Das dürfte jeder schon selbst erfahren haben. Unsere Wünsche wachsen nämlich mit unserem Lebensstandard. Während meiner erfolgreichsten Zeit, als das Geschäft blühte, war der Erfolg mein Ansporn, noch „mehr Gas zu geben“, um mir dies und das noch leisten zu können – wie besessen war ich nur in diesem Rausch? Aus Erzählungen meiner Eltern und Großeltern weiß ich, dass sie selbst während der Kriegsjahre und in der Zeit danach, als es nur ums Überleben ging, auch wirklich Glück empfinden konnten. Der soziale Zusammenhalt, Freundschaften, Hilfsbereitschaft waren die wirklichen „Glücksbringer“.
„Das Glück liegt in der Beschränkung“, lehrten schon die alten Meister – eine Weisheit, die heute aktueller ist denn je. Wer auf Überflüssiges verzichten kann, lebt aufrichtiger, einfacher und näher bei sich selbst.
Diese Erfahrung wird besonders spürbar in Momenten des Rückzugs: fernab von Ablenkungen wie Handy, Fernsehen oder Konsum. In der Einfachheit wächst das Bewusstsein dafür, was wirklich zählt. Und doch – der Alltag verführt. Zu viel Arbeit, soziale Medien, Computerspiele, kleine Genüsse wie gutes Essen, ein Glas Wein oder Zerstreuung am Bildschirm mögen harmlos erscheinen, doch sie zeigen, wie schwer uns Verzicht oft fällt – selbst wenn wir ahnen, dass Selbstbeschränkung auch Bereicherung bedeuten könnte. Kann es sein, dass wir uns mittels Konsum von unserer Seele abschneiden, etwa um Schmerz nicht zu spüren, Emotionen zu verdrängen?
Glück im Glauben entdecken
Wenn trotz äußerer Erfolge eine innere Leere zurückbleibt, zeigt uns das, dass es noch etwas größeres, wichtigeres gibt, um Seelenruhe zu finden. Glaube und Spiritualität können einen tieferen Zugang eröffnen: Sie bieten eine Orientierung, die nicht auf Vergängliches, sondern auf Dauerhaftes ausgerichtet ist, und sie führen zu einem inneren Frieden – als Fundament echten Glücks.
Sinn und Orientierung
Der Mensch lebt nicht allein von äußeren Dingen, sondern braucht einen Sinn, der sein Leben trägt. Spiritualität schenkt uns diesen Sinn, indem sie den Blick über das rein Weltliche hinaushebt. Wer an eine höhere Ordnung glaubt, erlebt das eigene Leben als Teil eines größeren Ganzen. Dieses Gefühl der Geborgenheit verleiht Kraft und Sicherheit – auch in schwierigen Zeiten. Die Gewissheit, dass hinter allem ein Sinn liegt, auch wenn er sich uns nicht sofort erschließt, trägt durch Krisen und schenkt Mut.
Innerer Frieden und Gelassenheit
Im Glauben finden viele Menschen eine Ruhe, die äußeren Umständen trotzt. Rituale wie Gebet, Meditation oder stille Einkehr helfen, Abstand von Sorgen zu gewinnen. Spiritualität lehrt, das Leben nicht kontrollieren zu wollen, sondern Vertrauen zu üben: Vertrauen in Gott, das Leben oder die eigene innere Kraft. Diese Haltung führt zu Gelassenheit – ohne sie ist Glück für mich kaum denkbar.
Gemeinschaft und Beziehung
Glaube verbindet. Spirituelle Gemeinschaften bieten Halt und Zusammengehörigkeit. Dort erfahren Menschen Wertschätzung, Trost und Freude. Doch auch jenseits organisierter Religion stärkt Spiritualität die Beziehung zu anderen, weil sie Empathie und Mitgefühl fördert. Wer aus dem Glauben heraus handelt, erkennt im Mitmenschen einen „Nächsten“, dem Würde und Respekt gebührt. Solche Begegnungen schaffen Glücksmomente, die weit über das eigene Ego hinausgehen.
Persönliche Transformation
Echter Glaube bleibt nicht an Dogmen oder Traditionen haften. Er ist immer im Wandel und führt zu innerer Entwicklung. Spiritualität lädt dazu ein, sich selbst zu hinterfragen, alte Muster loszulassen und seine Haltung zum Leben immer wieder zu überprüfen.
Glaube und Spiritualität eröffnen uns einen Raum, in dem wir unser Leben in einem tieferen Sinnzusammenhang erfahren, Vertrauen üben, Gemeinschaft erleben und Dankbarkeit kultivieren. In dieser Verbindung von Sinn, Frieden, Hoffnung und Liebe liegt die Quelle eines Glücks, das nicht vergeht – ein Glück, das von innen kommt und unser Leben bereichert.
Die Falle der Verfügbarkeit
Unsere moderne Gesellschaft will scheinbar alles: Gesundheit, Sicherheit, Verfügbarkeit. Doch gerade dieser Versuch, das Unverfügbare verfügbar zu machen, hat seinen Preis. Was einst als gegeben galt – Krankheit, Altern, Tod – versuchen wir heute zu kontrollieren. Doch Kontrolle bedeutet nicht automatisch Freiheit. Im Gegenteil: Je mehr wir absichern, desto mehr verliert das Leben an Tiefe, an Echtheit und Spontaneität.
Wir träumen von Abenteuer und sehnen uns nach Ursprünglichkeit, wir abonnieren Landidyll-Zeitschriften – während gleichzeitig Dörfer veröden und die Städte überquellen. Wir jagen Idealen hinterher, statt mit uns und dem Leben Frieden zu schließen. Die Sehnsucht bleibt, aber der Mut zu wirklicher Veränderung fehlt oft. Was ist es also, das uns fehlt? Spüren wir es nicht? Diese Frage können wir mit dem Verstand in der Regel nicht beantworten. Dazu müssen wir erst zur Ruhe kommen, innehalten, unsere Seele erspüren, um eine Lösung finden.
Krankheit als Signal
In unserer Kultur ist Krankheit ein Makel, etwas, das schnell beseitigt werden muss. Dabei könnte sie ein wichtiges Signal sein – Ausdruck eines unausgewogenen Lebensstils, ein Ruf zur Umkehr. Wenn der Körper „Alarm“ruft, ist die schnelle Antwort der Medizin viel zu oft, das Alarmsignal abzustellen. Klar, das geht einfacher und schneller, als ganzheitlich nach Zusammenhängen zu suchen und für die Betroffenen ist es auch die bequemste Lösung, weil sie so weiterleben können wie bisher, nichts ändern müssen – aber ist das eine Lösung?
Medizinische Fortschritte sind segensreich, keine Frage. Aber nicht alles, was machbar ist, ist auch sinnvoll. Der Wunsch, den Tod um jeden Preis hinauszuzögern, kann uns mitunter den Blick dafür verstellen, dass Würde und Loslassen ebenso Teil des Lebensweges sind. Respekt vor dem Leben schließt die Akzeptanz seines Endes ein.
Auch das oft beschworene „Kämpfen gegen eine Krankheit“ dürfen wir in diesem Licht hinterfragen. In vielen Fällen mag das Ankämpfen hilfreich sein, doch manches lässt sich nicht bezwingen, sondern nur annehmen und loslassen – auch das kann heilsam sein.
Und wenn es nicht um echte Krankheiten geht, optimieren viele unablässig – Körper, Gesundheit, Aussehen. Der Markt boomt. Doch je stärker wir gegen uns und den Lauf des Lebens kämpfen, desto größer wird die Entfremdung von uns und dem Leben selbst. In gegenwärtiger Achtsamkeit entkommen wir der EGO-Falle. Dann leben wir nicht im Haben, sondern im Sein. Nicht im Gestern oder Morgen, sondern im Jetzt.
Glück ist also erreichbar – in der Einfachheit, im Loslassen, in der Dankbarkeit, im Hier und Jetzt. Wir müssen es nicht machen, sondern wiederentdecken.
Stille
Innere Freiheit, Loslassen, Spiritualität und Achtsamkeit: All das erfordert die Empfangsbereitschaft unserer Seele. Wenn wir uns ständig von unserer Seele ablenken – sei es durch unentwegte Beschäftigung oder durch unser ständiges Denken – können wir sie nicht spüren. Es bedarf also der Stille in uns, um Raum zu schaffen, für eine ungleich höhere Intelligenz, als wir uns vorzustellen vermögen.
Für manche liegt die Idee nahe, um Glück und Erkenntnis zu beten. Wie viel müsste ich dann für fünfhundert Gramm Glück oder eine mittelgroße Erkenntnis beten? Ich verhehle meine Skepsis nicht: Zum Gebet habe ich eine andere Einstellung als die Amtskirche.






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